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Weihnachten die Leviten gelesen

Herzerwärmende Erzählungen vertreiben die Kälte

Wolfram Wallrabenstein las Gedichte von Hermann Hesse vor.

Wer Weihnachten mit kühlen Temperaturen, Christstollen und allerlei Geschichten und Gedichten rund um Tanne oder Fichte verbindet – der war bei der zwölften Weihnachtslesung der Hemminger Literaturstunde am richtigen Platz. Gastleser Jan Dingeldey, hauptberuflich Hemminger Bürgermeister und Hausherr im Bürgersaal des Rathauses, entschuldigte sich bei den drei Dutzend Gästen für die Raumtemperatur von nur 19 Grad – Ukraine-Krieg und Energiekrise würden das Sparen unumgänglich machen. Doch hatten die acht Vorleserinnen und Vorleser ein Gegenmittel parat: herzerwärmende Erzählungen rund um das Fest.
Gewöhnlich werden bei den allwöchentlichen Lesungen der Literaturstunde, die unter der Flagge der Bürgerstiftung Hemmingen segelt, nur zwei Auszüge aus Romanen oder Gedichtbänden vorgestellt. Doch zu Weihnachten ist alles etwas anders, und nett verpackte Geschenkepäckchen der Stiftungs-Vorstandsetage trugen an diesem Dezembertag des Jahres 2022 ihren Teil zum besonderen Gepräge bei.

Das schwere Schicksal von Tanne und Fichte

Zu Beginn las Helmut Gundlach ein Gedicht seines Bruders vor, das einen durchaus kritischen Blick auf das Weihnachtsfest offenbarte. Der Liedtext des Wiener Komponisten und Kabarettisten Gerhard Bronner, den Wilfried Riegels vortrug, zeigte den Weg einer Fichte auf, die als geschnittenes Papier – recht unfeierlich – auf einer gewissen Örtlichkeit endet. Wehmütig hingegen waren die Erinnerungen einer zum Weihnachtsbaum geschlagenen Tanne, die der schönen Zeiten mit einer benachbarten Linde in freier Natur gedachte; dieses Gedicht von Joachim Ringelnatz trug Gabriele Lehmberg vor.
Ganz Erstaunliches wusste Jan Dingeldey aus dem Stall zu Bethlehem zu berichten: dass es der sprichwörtliche Floh im Ohr war, der dem Jesuskind sein erstes Lächeln auf die Lippen zauberte. Der Autor, Karl Heinrich Waggerl, wurde später noch einmal zitiert, als Dietmar Berndt die Geschichte von der stillsten Zeit im Jahr vortrug. Ein paar kürzere Gedichte von Hermann Hesse zum christlichsten aller Feste hatte Wolfram Wallrabenstein mitgebracht. Und “Recyling” hieß der Titel des selbstverfassten Textes von Rüdiger Knorr, der vom sparsamen Umgang mit Geschenkpapier und Lametta während seiner Kindheitstage in Ostpreußen berichtete.

Wer findet den perfekten Baum?

Mit dem wohl jedermann bekannten Problem, den perfekten Weihnachtsbaum zu kaufen, beschäftigte sich Vorleserin Gisela Hische. Und ebenso von dieser Welt war die Geschichte, die Kirsten Rohr vorlas – Reibung ist unweigerlich vorprogrammiert, wenn zwei Schwestern mit grundverschiedenem weihnachtlichen Erfahrungshorizont aufeinanderprallen. Am Ende des Vormittags wussten alle Teilnehmer der Lesung besser denn je, was ihnen zwei Corona-Jahre lang gefehlt hatte: zwei gemeinsam verbrachte, gemütliche Stunden, die gänzlich unterschiedliche Sichtweisen auf die Weihnachtstage zum Thema hatten.

In der ostpreußischen Heimat von Vorleser Rüdiger Knorr wurde zu Weihnachten an Geschenkpapier und Lametta gespart.
Vom Floh im Ohr des Jesuskindes handelte die Geschichte, die Bürgermeister Jan Dingeldey vortrug.
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